Rinderprojekt Willkommen im Reich der Rinder
Willkommen im Reich der Rinder PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von: Andrea Fasch   
Dienstag, 03. Februar 2009 um 18:19 Uhr

HerdeWillkommen im Reich der Rinder
Meine Rinder teilen sich in zwei Herden - die Galloways und die ungarischen Steppenrinder. Die Galloways sind das genau Gegenteil der Steppenrinder - klein, gedrungen, langhaarig, schwarz und genetisch hornlos. Die Steppenrinder hingegen hochbeinig, silberweiß bis beigebraun und mit langem Gehörn. Wo die Galloways ruhig sind, sind die Steppenrinder wie ein Wirbelwind... ich mag meine Tiere gerade in ihrer Verschiedenartigkeit!

Allen gemeinsam ist, das beide Herden jeweils einen Stier besitzen - Hans bei den Steppenrindern, Gandalf bei den Galloways. Und das die Tiere während der Vegetationsperiode als Landschaftspfleger tätig sind. Sie beweiden kaum zugängliche Feuchtparzellen, steile Hanglagen. Dort, wo heute ein Landwirt die Bewirtschaftung aufgeben würde, weil die Flächen nicht wirtschaftlich zu erhalten sind.

Warum Landschaftspflege? Kann das nicht die Landwirtschaft erledigen?
"Früher" bevor sich die Landwirtschaft den gleichen Rentabilitätszwängen unterwerfen musste wie alle anderen Wirtschaftszweige, wurde noch viel mit kleinen Maschinen gearbeitet, es wurde viel von Hand gemacht. Handarbeit war noch nicht unbezahlbar.Lisa
Heute "stören" Landschaftselemente wie Hecken, Tümpel und Bäume, sie erfordern Zeit zum Umfahren, man muss mit den nun gebräuchlichen hohen PS-Zahlen wirtschaftlich umgehen, jeder zusätzliche Meter kostet Lohn, Diesel und Maschinenzeit. Die Tiere, die diese "unwirtschaflichen Bearbeitungsstörenfriede" bewohnen, die Pflanzen, die sich ansiedeln, wo "anders gewirtschaftet wird" die sind unproduktiv, die haben keinen Platz mehr. Grasmonokulturen, möglichst ohne Beikräuter, die nur noch gemäht werden und ausschließlich gleichmäßig gedüngt, höchste Erträge erwirtschaften sind der Sinn der "neuen Landwirtschaft".
Ich sehe die wirtschaftlichen Zwänge meiner Kollegen, die vielfach auch gerne anders wirtschaften würden, jedoch von ihren Betrieben leben müssen - keiner zahlt ihnen mehr Geld für ihre Milch, wenn sie mehr ausgeben, um zusätzlich Naturschätze zu erhalten.
Jedoch sehe ich auch die Umwelt in der wir alle leben - die wir für unsere Kinder erhalten wollen, um auch diesen Eisvögel zeigen zu können, Biber oder Schwarzstörche. Vielleicht ist das aber noch nicht der einzige Grund - denn manchmal befürchte ich, das wenn wir alle unsere Mitgeschöpfe vertrieben haben, werden wir vermutlich in der von uns geschaffenen Welt gar nicht mehr leben wollen.

Darum habe ich mich entschlossen, Rinder zu halten. Rassen, die mit den Gegebenheiten der Extremstandorte zurecht kommen, darauf gesund wachsen können und dabei gleichzeitig diese Standorte so erhalten, das auch andere Lebewesen einen Lebensraum finden, der ihnen ein Überleben sichert.Susis Mama

Die Vermarktung der Tiere, sei es als Zuchttier oder als Fleischtier finanziert meine Arbeit, das Leben der Tiere und den Erhalt der von ihnen beweideten Flächen. Im Falle der stark vom Aussterben bedrohten Rinderrasse der ungarischen Steppenrinder ist die Zuchtgruppe auch wichtig zum Fortbestand dieser Rinderrasse - in Belgien besitze ich die einzige Gruppe von Ungarischen Steppenrindern, wenige Tiere gibt es bei ein paar europäischen Zoos, und in sechs weiteren Rasseerhaltungsprojekten, z.B. am Neusiedler See oder im Naturpark Hortobágy in Ungarn. Ein weiteres interessantes Projekt finden sie hier

Zuletzt aktualisiert am Dienstag, 03. August 2010 um 14:01 Uhr
 
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