Geflügelprojekt Wie Tiere leben wollen
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Geschrieben von: Andrea Fasch   
Sonntag, 01. Februar 2009 um 17:41 Uhr

Wie Tiere leben wollen - oder warum hier nicht alles "Bio" ist

Die Biohaltung wurde von den ersten Anfängen im letzten Jahrhundert bis heute salonfähig. Man verbindet mit "BIO" eine geprüfte Qualität, die Tierwohlbefinden genau so sicherstellen soll wie ein höchst gesundes Produkt für den Konsumenten.
Nur - wie soll das gehen, wenn es BIO nun auch im Supermarkt gibt und die Biohaltung immer mehr industrielle Größen erreicht?


Siesta am Hühnerhof

Nachdem das "BIO-Siegel" von der EU Mindeststandards sichert hinsichtlich Platzbedarf und zugestandener Bewegungsmöglichkeit per Tier regelt, bedeutet es zusätzlich eine Kontrolle auf ausschließliche Fütterung mit BIO-Logisch erzeugtem Futtermittel und einer Herkunft der Tiere aus einem BIO-Betrieb b.z.w. einer Mindestverweildauer in einem BIO-Betrieb von 3/4tel seiner gesamten Lebenszeit. Auch regelt die BIO-Verordnung den Medikamenteneinsatz.
Es bedeutet NICHT, das das Tier deswegen Zuwendung erhielt, sich artgerecht verhallten durfte, in Ruhe groß werden konnte. Es regelt leider auch nicht, das die Aufzucht der Tiere dem entspricht, wie die Natur sich die Kindheit eines Tieres oder sein Leben gedacht hat.

Ethik in der Tierhaltung
Mir war die BIO-Verordnung zu wenig! Ich hätte mir eine "Verordnung zur ethischen Tierhaltung" gewünscht, in der Tiere ein Recht auf eine Kindheit gehabt hätten, ein Recht, auf einen artgerechten Lebensraum, Unversehrtheit des Körpers und so viel Glück, wie nur irgend möglich und natürlich ein Recht auf eine artgerechte Ernährung.
Man sagte mir, das man mit "Tierwohlbefinden, Tierkindheit/sozialen Kontakten und Tierglück" aber keine millarden von Menschen satt bekäme. Und je mehr wir Menschen werden, um so weniger Glück stehen wir unseren Tieren zu.

Wie ein Tier zum anderen kam
Zuerst hielt ich für unseren Eigenbedarf  Hühner. Hennen legt alle 26 Stunden ein Ei. Wenn es gut gepflegt wird, regelmäßig entwurmt wird und ein leistungsangepasstes Futter erhält, kann ein Huhn viele Jahre Eier legen. Meine älteste wurde in diesem Jahr 10. Hennen kennen keine Menopause, sie legen jedoch in jedem Jahr etwas weniger - diese alte Henne wird auch in diesem Jahr im März wieder zu legen beginnen und bis zum Juli Eier legen - voraussichtlich wird sie wieder 60-80 Eier legen - welche Leistung!

Kleine Schritte statt spektakulärer Aktionen
Jedes Ei, das meine Hennen selber produzieren, macht ein Huhn in einer Massenhaltung für einen Tag sinnlos. Meine Hühner können je nach Witterung Auslauf oder großen Stallplatz nutzen. Sie haben eine Gruppengröße von maximal 70 Tieren im Sommer und 20 im Winter. Es gibt keine Federpicker, keine gegenseitigen Verletzungen, keine Verhaltensauffälligkeiten. Ein Hahn regelt das Zusammenleben in der Gruppe, er warnt draußen vor Feinden aus der Luft (Greifvögel) oder am Boden (Fuchs).

Die Hennen erhalten Bio-Legemehl. Sie kommen damit sehr gut zurecht, haben eine gute Figur und eine hohe Legeleistung. Die Eier, die ich den Hennen zum Brüten gebe sind zu 90% befruchtet und schlüpfen zu mehr als 85% - dies ist ein gutes Indiz für Gesundheit und Wohlbefinden in der Herde - sind Tiere krank oder mangelernährt, leidet zuerst die Fruchtbarkeit. Die Küken werden von den Glucken aufgezogen und wachsen in der Herde heran - wenige stocken die Herde im Herbst auf, viele verlassen als Zuchttiere die Gruppe und gehen zu anderen Geflügelfreunden, bestellte Tiere werden im Herbst geschlachtet, nachdem sie ein - im Vergleich zu jedem Huhn in einem Lebensmittelladen - erfülltes, glückliches Hühnerleben hatten.
Vergleicht man nun BIO mit der Haltung hier, so haben meine Tiere mehr als 10x soviel Platz, wie man ihnen im Stall nach den Verordnungen für die BIO-Haltung zugestehen würde, an Auslaffläche ist es noch weit mehr. Vergleicht man dies mit der konventionellen Haltung, so haben meine Tiere im Stall mehr als 20x soviel Platz und müssen nur 2,5% der Besatzdichte eines konventionellen Stalles ertragen.

Nach den Hühnern kamen die Gänse, Enten, dann Rinder zuletzt die Schweine. Für jede Tierart gibt es andere Dinge zu beachten, nicht nur die Ernährung sondern auch das Verhalten betreffend. Daher gibt es bei mir für jede Gattung einen maximale Bestandsdichte. Das bedeutet - auch wenn sie gerne mehr Produkte von mir kaufen würden, ist es manchmal nicht möglich, noch ein weiteres Tier hier unter zu bringen, da die anderen dann weniger Platz haben, als sie brauchen oder weniger Zuwendung bekommen, wie sie es haben müssten. Ich kann die Welt nicht ernähren und will es auch nicht.

 
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